Ist der Hund zu groß?
„Mein Hund zieht an der Leine und wird in der Hundebegegnung zum Wilden.“ Dies ist eine Aussage, die uns bei der ersten Kontaktaufnahme durch Hundebesitzer immer wieder begegnet.
Die genannten Probleme sind nicht ungewöhnlich und können in der Regel gut gearbeitet werden. Ein Problem taucht aber immer wieder auf. Mann/Frau ist dem Hund unter Umständen rein körperlich nicht gewachsen. Da ziehen gegebenenfalls 45 kg bis 50 kg mit 4×4-Antrieb an 60 kg Frauchen. Frauchen kann dieser Kraft nichts Ausreichendes entgegenstellen.
Legt es Bello nun darauf an, wird jede Hundebegegnung zum Problem. In solch einer Konstellation ist es erst einmal unmöglich als HundeführerIn so souverän zu agieren, wie es die Situation erfordern würde.
Bedeutet dies nun, dass nur noch kleine Hunde angeschafft werden dürfen? Natürlich nicht!
Kaufe ich mir einen gut sozialisierten Welpen, der vom ersten Tag an richtig erzogen wird, wird das Problem auch mit einem großen Hund in den seltensten Fällen auftreten. Ich habe da auch immer das Bild vor Augen, dass Menschen ohne Problem ein Pferd führen können, das gut das Zehnfache eines Hundes wiegt.
Wird der als Welpe angeschaffte Hund jedoch erst einmal nicht oder falsch erzogen, ist das Problem unter Umständen spätestens nach einem Jahr sehr aktuell.
Noch deutlicher tritt das Problem zu Tage, wenn ein großer Hund aus dem Tierschutz übernommen wird. Dieser Hund bringt oft schon sein Päckchen mit und wurde bisher nicht erzogen. So wir stehen vom ersten Tag an vor dem Problem, den Hund nicht halten zu können. Wir können also niemals die Souveränität und Gelassenheit aufbringen, die nötig wäre.
In der Folge macht der Spaziergang mit dem Hund keinen Spaß. Man verlegt die Gassi-Runden auf die Randstunden des Tages, um möglichst Niemandem zu begegnen.
Wie kommen wir aus diesem Teufelskreis nun heraus? Bisher hat der Hund nur gelernt, dass sein Mensch die Hundebegegnung nicht regeln kann und überfordert ist. Wir müssen daher Situationen schaffen, in denen wir dem Hund zeigen können, dass wir in der Lage sind, Führung zu übernehmen und Regeln aufzustellen.
Das geht am einfachsten zuhause, dann im Garten, später am langweiligen, einsamen Feldweg und erst viel später in der Fußgängerzone. In der sicheren Umgebung, in der es zu keinem körperlichen Kräftemessen kommt, zeigen wir dem Hund Regeln auf, die konsequent eingehalten werden müssen. Dies kann sein, dass wir üben, ihn auf seine Decke zu schicken, auf der er dann bleiben muss. Dies können auch Alltagskommandos sein, die aber in ihrer Ausführung auch stets korrekt und unmittelbar eingefordert werden müssen.
Wichtig sind im Zusammenhang mit dem Etablieren von Autorität auch Ruheübungen, die zugleich den Hund in seinem Raum begrenzen. So gibt es verschiedene Übungen, bei denen der Hund in einer vom Teamführer gewünschten Position gehalten wird. Akzeptiert er dies, bekommt er im Ausgleich für die Raumbegrenzung soziale Zuwendung.
Daher lautet mein Appell an alle, die sich draußen beim Gassi-Gehen nicht mehr wohl und sicher fühlen, sucht euch eine Umgebung, in der ihr souverän agieren könnt und hört auf mit dem täglichen Kampf. Ein guter Trainer/Trainerin kann euch zeigen, wie man im Kleinen beginnt, dem Hund Führung zu geben. Dazu bedarf es weder Gewalt noch überholtes Dominanzdenken, aber auch das Werfen von Wattebällchen führt sicher nicht zum Erfolg.