Den Hund führen

Einen Hund führen!?

Wann führe ich einen Hund. Was meint man denn eigentlich mit „führen“?

Natürlich darf der Hund an der lockeren Leine mal vor, mal neben mir laufen. Selbstverständlich darf der Hund auch in den Freilauf – einen zuverlässigen Rückruf vorausgesetzt.

Wann also muss ich meinen Hund führen? Ich führe meinen Hund, wenn wir Gefahr laufen, dass der Hund auf die Idee kommt, er müsse etwas regeln. Ich führe also im Straßenverkehr, in der Fußgängerzone, wenn uns ein Jogger oder Radler entgegenkommt und natürlich auch in der Hundebegegnung.

In der Natur gibt es kein führungsloses Caniden-Rudel. Das ist auch gut so, denn wenn ich weiß, da ist einer der aufpasst, kann ich entspannt sein. Uns muss aber klar sein, dass dies aus Sicht des Hundes Gesetz ist. Gibt es etwas zu regeln, braucht es einen der diesen Job übernimmt. Bin das nicht ich, wird mein Hund diese Rolle übernehmen. Doof nur, dass die meisten unserer Hunde einfache Indianer sind und nicht der geborene Häuptling. Somit ist es schnell vorbei mit der entspannten Ruhe und der Vierbeiner ist gestresst und meist auch überfordert.

Frage ich eine(n) HundehalterIn, zu wieviel Prozent sie/er beim Spaziergang beim Hund ist, was kommt dann als Antwort? Macht doch mal schnell den Selbsttest.

Und? Wieviel Prozent?

Meist höre ich dann eine Zahl zwischen 80 und 100%. Hmm …

Ich habe lange überlegt, was ich dann sagen soll, bis mir folgender Vergleich einfiel:

Du möchtest eine hochalpine Berg- oder Ski-Tour machen und du buchst dir dafür einen Berg- oder Ski-Führer. Stell dir einmal vor, wie ihr beide nun bergauf schreitet. Wo in deinem Bild ist nun der Führer?

Genau! Er ist vor dir, denn wer vorn ist führt. Genau so denkt dein Hund.

So nun stell dir einmal deinen Bergführer vor, der zu 80 – 100% bei dir ist. Der sich zwar nach vorn bewegt, aber seinen Blick fast ausschließlich bei dir hat. Würdest du dich dabei wohl fühlen oder hättest du nicht vielmehr die Sorge gleich in einer Gletscherspalte zu landen.

Glückwunsch! Nun weißt du, wie sich dein Hund fühlt, wenn du den Blick ständig fragend oder kontrollierend auf ihn richtest.

Wer führt, der führt. Wer nicht führt, der folgt. Punkt!

Darf ich meinen Hund nun gar nicht mehr anschauen, wurde ich gefragt. Klar darf ich. Das macht der Bergführer auch – wenn wir z.B. stehen bleiben. Ebenso spürt er durch das Sicherungsseil, wenn ich langsamer werde, stehen bleibe oder sonst ein Problem habe. Das Sicherungsseil zwischen meinem Hund und mir hat einen Namen – die Leine. Das ist unsere Verbindung. Die Leine gibt dem Hund darüber hinaus Sicherheit, genauso wie dir das Bergseil.

Also bitte, beim nächsten Spaziergang auch mal die Führung übernehmen. Brust raus, Kopf hoch und dann bitte einmal marschiert wie Jorge Gonzales auf dem Catwalk. Viel Spaß und Glückwunsch, jetzt kann dein Hund entspannen!

© Bernd Seyberth; 4-dog-and-you.de

 

 

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